TASSO »Claqueure willkommen!«


Applaus erwünscht!
Das dichte Gedränge in den Räumlichkeiten der Galerie am Domhof zur Eröffnung der Sonderschau des Graffitikünstlers Jens »Tasso« Müller am Sonntagvormittag war eigentlich zu erwarten gewesen, immerhin genießt der gebürtige Meeraner internationales Renommee. Dennoch ist es die erste Personalausstellung des Sachsen in Zwickau. So sehr er sich über die Anfrage der Galerie freute, ein wenig in Sorge war er im Vorfeld der Ausstellung doch: »Ich hatte fast ein bisschen Schiss, dass ich die Räume auch wirklich fülle«, gibt er unumwunden zu Protokoll. »Denn wenn du immer nur Gast bist, dann siehst du nur die großen Räume...« Am Ende waren seine Befürchtungen natürlich grundlos, vielmehr sei es dann gar nicht so einfach gewesen, aus der Vielzahl der Bilder die richtigen auszuwählen. »Außerdem ging es mir darum, möglichst neue Sachen zu zeigen. Ich komme ja recht selten zum Leinwandmalen, aber hier gibt es ganz viele Arbeiten, die zwar schon in Lörrach und jetzt erst in Ludwigshafen zu sehen waren, aber hier bei uns in der Region eben noch nicht und da wird es schon mal Zeit, dass ich das mal zeigen kann«, lächelt der sympathische 51-Jährige. 

Die Exposition umfasst etwa 40 Arbeiten des Künstlers und versteht sich als Retrospektive der letzten Jahre. Neben fotorealistischen Werken, für die der Künstler weltweit gefeiert wird, sind auch Bleistiftzeichnungen, Stencils und Drippings zu bewundern. Ob szenetypische Artefakte, Landschaften, Popart oder plakative Installation, Tassos Arbeiten sind vielfältig, unangepasst, wunderschön und manchmal fast verstörend direkt. »Ich habe keine Lust mich den Rest meines Lebens auf einen Stil festzulegen«, entgegnet er Kritikern, die ihm früher nahelegten, sich zu beschränken und so eine wiedererkennbaren Handschrift zu entwickeln. »Das wäre mir einfach viel zu langweilig!« Und außerdem: »Nehmen wir als Beispiel die zerstörten Frauenporträts, die brauchten als Grundlage einen perfekten Fotorealismus. Andererseits gibt es die Legohäuser, die wären langweilig, würde ich sie realistisch malen. Jedes Ding was ich im Kopf habe, braucht letztendlich eine eigene Umsetzung«, erklärt er weiter. Es sind Themen unserer Zeit die ihn bewegen, weltweite Bedrohungen und Krisen, die Ängste auslösen und einer künstlerischen Interpretation und Umsetzung bedürfen. Und einen kleinen Seitenhieb auf den medial wirksamen Fassadendisput im letzten Sommer hat er natürlich auch noch parat, aber den darf der geneigte Besucher gern selber finden...

Volles Haus. Dicht an dicht drängten sich die Besucher zur Ausstellungeröffnung, bereits eine Stunde vor Beginn war kein Platz mehr zu bekommen.

Knabe sprach...!, 100x180, Spraylack auf Leinwand, 2014
li.: Sommer in Weiß, 60x80, Spraylack auf Leinwand, 2018
re.: Dame mit Perlenarmband, 60x80, Spraylack auf Leinwand, 2017
Denn sie wissen nicht, was Sie tun?!, 260x380, Acryl/Lack auf Leinwand, 2018


Und welches ist sein Lieblingsbild ? »Das Neue«, gibt er unumwunden zu und meint damit das Raumnehmende »Denn sie wissen nicht was Sie tun«, eine Arbeit von augenscheinlich großer Klarheit bei zeitgleich erschreckender Tiefe. »Das ist das erste Mal, dass ich von einem Bild sage, das ist ein Werk!« Das Schwierige am plakativen Fotorealismus sei, dass man eigentlich eine Sprache spricht die jeder verstehen könne. Allerdings braucht es sowohl Zeit als auch Muse die Symbolik im Bild zu lesen und tatsächlich zu verstehen.


Auch künftig hin werden ihm die Ideen zum Glück wohl nicht ausgehen, denn sowohl Kopf als auch das Skizzenbuch seien voll, lediglich die Zeit fehle ihm für ein kontinuierliches Arbeiten im Atelier. Derzeit wartet bereits der nächste Auftragsarbeit in Dänemark auf ihn. In der Zwischenzeit empfehlen ich einen wirklich lohnenden Besuch Tassos »Claqueure willkommen!« in der Galerie am Domhof. Die Sonderschau ist bis einschließlich 8. April immer Dienstag bis Sonntag von jeweils 13 bis 18 Uhr geöffnet.

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